Transparenz · 24.06.2026

Was „100 % Fruchtkörper" wirklich bedeutet

Was „100 % Fruchtkörper" wirklich bedeutet

Auf der Vorderseite vieler Pilzpräparate steht „Funktionspilz" oder „Bio-Pilz" – und sonst wenig. Was dort fehlt, ist die eine Angabe, die über die Qualität eines Pilzpulvers entscheidet: Wurde der Fruchtkörper verarbeitet oder das Myzel auf Getreide? Beide dürfen sich „Pilz" nennen, doch sie sind nicht dasselbe Rohmaterial. Dieser Artikel erklärt den Unterschied, warum der Beta-Glucan-Gehalt die ehrlichste Kennzahl ist, wie man ein Etikett liest – und woran der Thunderpilz-Standard festgemacht ist.

Fruchtkörper und Myzel: zwei verschiedene Rohstoffe

Ein Pilz besteht aus zwei Teilen. Das Myzel ist das fädige, unterirdische Geflecht – im Grunde die Wurzelstruktur. Der Fruchtkörper ist das, was wir als „Pilz" erkennen: der sichtbare, oberirdische Teil, der bei Löwenmähne (Hericium erinaceus), Reishi (Ganoderma lucidum) oder Cordyceps (Cordyceps militaris) geerntet wird.

Der entscheidende Punkt liegt in der Herstellung. Fruchtkörper werden kultiviert, bis der eigentliche Pilz herangewachsen ist, dann geerntet, getrocknet und gemahlen. „Myzel-auf-Getreide" dagegen wird produziert, indem man Myzel auf einem Korn-Substrat (oft Reis oder Hafer) wachsen lässt. Geerntet und vermahlen wird am Ende der gesamte Block – Myzel und das verbliebene Getreide-Substrat zusammen. Was als „Pilzpulver" im Beutel landet, ist dann ein Gemisch, dessen Getreideanteil je nach Charge erheblich sein kann.

Beim Fruchtkörper kauft man den Pilz. Bei Myzel-auf-Getreide kauft man Myzel mit Restsubstrat – und das Etikett verrät den Unterschied oft nicht.

Warum der Beta-Glucan-Gehalt zählt

Beta-Glucane sind die charakteristischen Mehrfachzucker (Polysaccharide) in der Zellwand von Speise- und Funktionspilzen. Sie sind der Grund, warum sich Fruchtkörper-Pulver analytisch überhaupt vom Substrat trennen lässt – und sie eignen sich deshalb als nüchterner Qualitätsmarker.

Fruchtkörper sind reich an Beta-Glucanen. Getreide ist es nicht – Korn enthält stattdessen viel Stärke (Alpha-Glucane). Ein Pulver mit hohem Stärke- und niedrigem Beta-Glucan-Anteil ist daher ein Hinweis auf einen hohen Substrat-Anteil. Genau hier liegt die Krux mancher Etiketten: Wird nur „Polysaccharide" ausgewiesen, fließt die Getreidestärke in die Zahl mit ein und lässt das Produkt gehaltvoller wirken, als der reine Pilzanteil ist.

Eine seriöse Analyse weist deshalb Beta-Glucan getrennt von Alpha-Glucan (Stärke) aus. Erst diese Trennung macht zwei Pulver vergleichbar – unabhängig von der Sorte und unabhängig vom Marketing auf der Vorderseite.

So liest man ein Etikett

Ein paar Begriffe entscheiden, was wirklich in der Dose ist. Worauf zu achten ist:

  • „Fruchtkörper" / „fruiting body" – die Angabe, die man sucht. Idealerweise „100 % Fruchtkörper" ohne Substrat.
  • „Myzel", „mycelium", „mycelliated grain", „full spectrum" – Hinweise auf Myzel-auf-Getreide. „Full spectrum" klingt umfassend, meint hier aber meist Myzel samt Restsubstrat.
  • Lateinischer Name + Pflanzenteil – z. B. Hericium erinaceus (Fruchtkörper). Fehlt der Pflanzenteil, fehlt die halbe Information.
  • Beta-Glucan-Wert in % – nicht nur „Polysaccharide". Getrennt ausgewiesen ist er aussagekräftig, als reine Polysaccharid-Summe kaum.
  • Extrakt vs. Pulver – ein Extrakt nennt ein Verhältnis (z. B. 10:1). Ein reines Pulver nennt keine Konzentrierung. Beides ist legitim, sollte aber klar deklariert sein.
  • Herkunft & Verarbeitung – Anbauregion, Trocknung, Vermahlung. Transparenz hier korreliert meist mit Transparenz beim Rest.

Faustregel: Je weniger ein Etikett über Pflanzenteil und Beta-Glucan sagt, desto mehr sagt dieses Schweigen aus. Wer den Fruchtkörper verarbeitet, schreibt es in der Regel hin – weil es das teurere, aufwendigere Rohmaterial ist.

Der Thunderpilz-Standard

Bei Thunderpilz arbeiten wir ausschließlich mit 100 % Fruchtkörper. Kein Myzel-auf-Getreide, kein verstecktes Substrat, keine Streckung mit Stärke. Das gilt für die Löwenmähne Pur (Hericium erinaceus) ebenso wie für die Reishi- und Cordyceps-Pulver und für den Pilzanteil im Pilzkaffee Classic.

Zwei Dinge gehören für uns zu dieser Entscheidung dazu. Erstens die klare Deklaration: Sortenname, lateinischer Name, Pflanzenteil und Menge in Gramm – nachvollziehbar, ohne Auslegungsspielraum. Zweitens der Laborbericht je Charge. Jede Produktionscharge wird analysiert, inklusive getrennt ausgewiesenem Beta-Glucan-Wert, sodass sich das, was auf dem Etikett steht, gegen ein unabhängiges Ergebnis prüfen lässt.

Diese Funktionspilze werden in der ostasiatischen Kultur seit Jahrhunderten traditionell verwendet – als Pulver, als Aufguss, als Bestandteil von Speisen. Unser Anspruch ist es, dieses Rohmaterial in seiner reinen Form anzubieten: vegan, naturbelassen, ohne synthetische Zusätze. Mehr zum Hintergrund unter Über uns, das gesamte Sortiment in der Kategorie Funktionspilze.

Was bleibt

„100 % Fruchtkörper" ist keine Marketing-Floskel, sondern eine konkrete Aussage über das Rohmaterial: der Pilz selbst, nicht Myzel mit Getreiderest. Der Beta-Glucan-Gehalt macht diesen Unterschied messbar, und ein getrennt ausgewiesener Laborwert macht ihn überprüfbar. Wer Etiketten mit diesen drei Begriffen liest – Fruchtkörper, Beta-Glucan, Laborbericht – trifft eine informierte Entscheidung statt einer geglaubten. Genau dafür legen wir bei Thunderpilz die Zahlen offen: 100 % Fruchtkörper, Laborbericht je Charge.

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